Zahnerkrankungen bei Katzen

Bei Routineuntersuchungen stellen wir oft fest, dass die Patienten unter Zahnerkrankungen, Erkrankungen der Maulschleimhaut oder des Zahnfleisches leiden, obwohl es den Besitzern zu Hause noch nicht aufgefallen ist. Das liegt zum einen daran, dass sich unsere Katzen nicht gerne untersuchen lassen. Zum anderen zeigen die Katzen ihre Schmerzen nicht deutlich, sondern meist nur durch subtile Verhaltensänderungen. Umso wichtiger ist die Routineuntersuchung in der tierärztlichen Praxis. 

Wie schwerwiegend die jeweilige Erkrankung ist, kann man jedoch erst nach einer vollständigen Untersuchung der Maulhöhle und der Zähne samt röntgenologischer Darstellung der Wurzelbereiche beurteilen, denn insbesondere die Katze zeigt oft Erkrankungen der Zahnwurzeln, die ausschließlich mittels Dentalröntgen festgestellt werden können. Zu einer vollständigen Beurteilung und Diagnostik des Zahnapparates im Sinne des heutigen medizinischen Wissensstands gehört folglich die röntgenologische Untersuchung der Zahnwurzeln dazu. 

Hier möchte ich Ihnen beschreiben, wie der Ablauf einer Zahnsanierung bei der Katze in unserer Praxis abläuft und Sie über diese wichtige Standardbehandlung informieren.

Je nach Alter und Vorbericht legen wir Wert auf eine präoperative Blutuntersuchung, um mögliche Vorerkrankungen feststellen und Risiken bei der Narkose einschätzen zu können. Nach der Narkosevoruntersuchung erfolgt die Sedation, Narkose und Intubation mit Endotrachealtubus, um zu verhindern, dass Flüssigkeiten und Bakterien in die Lunge gelangen. Die Katzen werden während des gesamten Eingriffs mittels Narkosemonitor oder Pulsoxymeter,  ggf. EKG überwacht. 

Zunächst erfolgt die professionelle Zahnreinigung, Entfernung von Zahnstein und Zahnbelägen mittels Ultraschall und nachfolgende Politur. Danach können durch Sondierung der Zahnhälse schon Hinweise auf Parodontitis und andere Parodontalerkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparates), aber auch tiefreichende Läsionen der Kronen gefunden werden. Zum Zahnhalteapparat zählt auch das Zahnfleisch, welches häufig stark entzündet ist. Oft findet man insbesondere bei den hinteren Backenzähnen hochgradigen Zahnstein, der aus bakteriellem Zahnbelag (Plaque) entsteht. Bei Plaque handelt es sich um eine Schleimschicht auf den Zähnen, die sich aus Speichel, Nahrungsresten und Bakterien zusammensetzt und die dauerhafte Entzündung des umliegenden Zahnfleisches aufrechterhält. Neben dem Zahnfleischsaum ist auch die Schleimhaut am Gaumen und der gesamten Maulhöhle genauestens zu untersuchen, um Hinweise auf weitere Erkrankung unserer Katzen, beispielsweise die Feline chronische Gingivostomatitis zu erkennen. Diese Erkrankung ist nicht selten bei Katzen festzustellen und macht zum Teil schon bei jungen Katzen große Probleme. 

Danach werden Röntgenbilder der Wurzelbereiche aller Zähne angefertigt und beurteilt. Hier kann letztlich die häufige und schmerzhafte Erkrankung der Katze, die Resorptive Läsion (früher Feline odontoklastische resorptive Läsion), erkannt werden. RL ist die Abkürzung für Resorptive Läsionen und ist eine degenerative Erkrankung der Zähne. Bei der Katze ist es eine der häufigsten Erkrankungen und eine der schmerzhaftesten. Nach den neuesten Studien findet man bei den Tieren ab fünf Jahren bei jeder zweiten Katze derartige Läsionen an den Zähnen, aber auch bei jüngeren Tieren können zum Teil Veränderungen röntgenologisch nachgewiesen werden.

Die oft hochgradige Schmerzhaftigkeit dieser Erkrankung entsteht durch einen Auflösungs- und Abbauprozess des Wurzel- und Knochengewebes. Zum Teil liegt dann der Nerv eines Zahnes frei und kommt mit Keimen der Maulhöhle in Verbindung.

Man unterscheidet röntgenologisch unterschiedliche Typen der Resorptiven Läsionen: 

RL-Typ-1: Hier ist der Parodontalspalt teilweise noch erkennbar

RL-Typ-2: Es liegt ein vollständiger Verlust des gesamten Parodontalspaltes vor, das Wurzelgewebe ist mit dem Knochen entzündlich verwachsen. 

RL-Typ-3: Gleichzeitiges Vorkommen von Typ 1 und Typ 2 bei mehrwurzeligen Zähnen. 

Werden nur an den Wurzeln Veränderung festgestellt, so sind diese Befunde nicht als per se schmerzhaft einzustufen. Allerdings sollte in diesen Fällen eine regelmäßige radiologische Kontrolle durchgeführt werden. In unserer Praxis werden Sie beim Entlassungsgespräch genauestens informiert über anstehende Kontrolluntersuchungen, Medikamenteneingabe, Dosierungen und die festgestellten Befunde und Therapie-schritte. 

In schwerwiegenden Fällen erfolgt die vollständige Extraktion der betroffenen Zähne, selten auch eine Totalextraktion, bei der alle Zähne entfernt werden. Die kleinen Wunden an den Extraktionsstellen werden mit resorbierbarem Nahtmaterial vernäht und heilen in der Regel gut und schnell. Am Tag nach der Operation kann die Katze bereits wieder fressen.  Auch wenn mehrere Zähne gezogen werden müssen, profitieren die Patienten von der Behandlung, denn sie können besser ohne die erkrankten Zähne leben. Nach abgeschlossenener Heilungsphase ist es den betroffenen Katzen wieder möglich, schmerzfrei Futter aufzunehmen. Die Lebensqualität wird in diesen Fällen somit durch eine professionelle Zahnbehandlung um ein Vielfaches erhöht, denn ein Dauerschmerz durch RL wirkt sich bei unseren Katzen, die sowieso stressanfällig sind, negativ auf das Immunsystem aus und ist so Wegbereiter für andere Erkrankungen. 

Unsere Behandlungsmöglichkeiten in der Zahnheilkunde sind neben den hier beschriebenen umfassend: 

Professionelle Zahnsanierungen

Dentalröntgen

Zahnextraktionen auch von mehrwurzeligen Zähnen 

Behandlung von Parodontalerkrankungen

PTT-Farbstoff-Therapie mit Diodenlaser

Zahnfüllungen, Wurzelbehandlungen

Okklusionskorrekturen

Stellungskorrekturen z.B. bei Caninusengstand

Dentale Operationen, Kiefer- und Maulhöhlenchirurgie (u.a. Schleimhautflaps bei Oronasalfisteln, Epulidenentfernung, Tumore der Schleimhaut u.v.m.)

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