Impfung der Katzen

Gibt es auch für Katzen neue Erkenntnisse mit Einfluss auf das Impfschema?

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und daraus resultierenden Impfempfehlungen der Experten, die ich an dieser Stelle vor 6 Wochen beschrieben habe, gelten für die Katze ebenso wie für den Hund. Die Grundimmunisierung sollte auch bei unseren Samtpfoten aus 4 Impfungen (8 Wochen, 12 Wochen, 16 Wochen, 15 Monate) bestehen. Danach kann man die Impfung gegen Tollwut im dreijährigen Abstand geben.

Katzen, die nur im Haus gehalten werden, benötigen keinen Impfschutz gegen Tollwut.

Gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen dagegen sollten sie auf jeden Fall geschützt werden, denn die Erreger dieser Krankheiten können durch Vektoren (z.B. Kleidung und Schuhe der Besitzer) in die Wohnung getragen werden.

Die Katzenseuche wird durch das Panleukopenievirus ausgelöst. Dieses Virus ist dem Parvovirus des Hundes engst verwandt und ist, wie schon für den Hund beschrieben, äußerst widerstandsfähig und überlebt monatelang im Staub. Katzen können sogar von an Parvovirose erkrankten Hunden angesteckt werden. Durch die in Deutschland gut etablierte regelmäßige Impfung großer Teile der Katzenpopulation gilt die Panleukopenie als gut kontrolliert. Trotzdem sollten Katzen jederzeit über einen belastbaren Impfschutz aufweisen, um vor der Krankheit geschützt zu sein.

Katzenschnupfen ist eine Krankheit des oberen Atmungstraktes, die Katzen häufig schon im Welpenalter betrifft. Verursacher sind meist Herpes- und Caliciviren, doch auch Chlamydien spielen als Erreger eine Rolle. Sowohl Herpes- als auch Caliciviren können zu einer persistierenden Infektion führen, bei der über lange Zeit entweder schubweise oder kontinuierlich Erreger freigesetzt und ausgeschieden werden. Ebenso können sogar lebenslang Krankheitssymptome wiederkehren, die von Schnupfen über Bindehautentzündungen, Hornhautveränderungen, schweren chronischen Zahnfleischentzündungen bis hin zu chronischen Gelenkentzündungen reichen. Chlamydien spielen als Erreger des Katzenschnupfens eine Sonderrolle, weil es sich hierbei nicht um Viren, sondern um Bakterien handelt, die zudem auch für den Menschen pathogen (krankmachend) sind. Noch nicht allzu lange ist gegen Chlamydien ein Impfstoff auf dem Markt, der bei jährlicher Impfung einen milden Verlauf der Erkrankung verspricht.

12 Prozent der Katzen in Schleswigholstein sind Leukose-positiv, d.h. sie tragen das Feline Leukämievirus (FeLV) in sich. Bei der Blutuntersuchung der Katze auf diese Erkrankung muss man die Spezifität der verschiedenen Tests kennen. Um zu wissen, ob das FeLV die Ursache einer Erkrankung ist, genügt ein Test in der Praxis, bei dem das Virus im Blut festgestellt wird. Allerdings kann FeLV auch als Provirus in den Zellen der Katze „schlummern“. Dieser Zustand wird nur durch eine sogenannte PCR in einem spezialisierten Labor entdeckt. Wann und ob das Provirus zu einer Virusausscheidung und/oder zu einer Erkrankung führen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Allerdings ist eine Impfung bei PCR-positiven Katzen wenig sinnvoll, da sie nicht mehr vor der Infektion schützen kann.

Eine letzte Krankheit bliebe der Vollständigkeit halber zu erwähnen: die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP). Für die FIP wurde vor Jahren ein Impfstoff entwickelt und propagiert, von dem man heute weiß, dass er unter normalen Bedingungen von eingeschränktem Nutzen ist. Der Erreger der FIP ist ein weitverbreitetes Coronavirus, mit dem jede Katze sehr früh (schon im Alter von 6 Wochen) und harmlos infiziert wird. Die lebensbedrohliche Erkrankung entsteht durch eine Mutation des Virus, die nicht beeinflusst werden kann. Die Impfung gegen FIP im Alter von 16 bis 20 Wochen kommt zu spät, weil die Welpen das Coronavirus bereits vorher aufgenommen haben.

Dieser Artikel kann kein Wegweiser für die Impfung Ihrer Katze sein, sondern soll verdeutlichen, wie wichtig es ist, in einem ausführlichen Gespräch mit Ihrem Haustierarzt ein individuelles Impfkonzept für Ihre Katze zu erstellen.

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